Chronik - APS-Darmstadt

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Chronik

Für diejenigen, die sich für Chroniken interessieren wurde diese Seite gestaltet. Der erste Teil der Chronik stammt aus der Feder von Rainer Kumme und wurde verfasst zum 75-jährigen Jubiläum des Vereins. Da hierin alle bekannten Daten und Geschehnisse des Vereins bis zum Jahre 1995 verzeichnet sind, soll diese Chronik als Grundlage verwendet werden. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen dieser Chronik.

Um es gleich vorauszuschicken, dem Allgemeinen Postwertzeichen-Sammlerverein e.V. Darmstadt stehen aus den ersten 24 Jahren seiner Vereinsgeschichte keinerlei Unterlagen mehr zur Verfügung. Fast schicksalhaft sind die bei verschiedenen früheren Vorstandsmitgliedern vorhandenen Protokolle der Hauptversammlungen, Niederschriften, Kassenbücher, Schriftverkehr, Presseberichte, Bilder und sonstiges Material ausnahmslos bei dem Großangriff auf Darmstadt am 11./12. September 1944 vernichtet worden. So gesehen, muss sich dieser kleine Rückblick auf das Vereinsgeschehen auch primär auf die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg und dem Ende des Dritten Reiches beschränken.

Doch nun zunächst ein kleiner Exkurs in das Darmstadt des Jahres 1920, dem Gründungsjahr des APS Darmstadt. Für unsere Stadt, seit Jahrhunderten in erster Linie Haupt-, Residenz- und Garnisonsstadt, bedeutet das Ende des Kaiserreichs durchaus nicht nur den Wechsel der Staatsform, sondern auch der Residenzcharakter geht fast völlig verloren. Der Verlust von Hof und Militär bringt über den vielleicht verschmerzbaren Verzicht von Staatsbesuchen, Paraden und Platzkonzerten vor allem ganz massive wirtschaftliche Einbußen. Aber wie immer in geschichtlichen Zeitläufen arrangiert sich der Bürger mit seinen Lebensbedingungen. Nicht anders in Darmstadt, wo man sowohl auf intellektueller Ebene wie auch im Bereich des Handels und Gewerbes neue Ideen und Vorstellungen entwickelt und umsetzt.
Nicht vergessen werden soll aus besonderem Grund an dieser Stelle, dass in Darmstadt am 6. April sechs französische Besatzungsbataillone einmarschieren. Die nach knapp sechs Wochen wieder aufgehobene Besetzung genügt, um den Darmstädtern mit nächtlichem Ausgehverbot, Passierscheinzwang und Pressezensur einen plastischen Eindruck von der Zwangslage zu geben, der Rheinhessen, aber auch das benachbarte Griesheim für mehr als 10 Jahre unterworfen ist. Man erträgt die "fremden Gäste", wie es bis zum Abzug am 17. Mai in der Darmstädter Zeitung heißt, "mit stolzer Ruhe und Würde", missbilligt jedoch den Beifall, den neugierige Zuschauer der ungewohnten marokkanischen Militärmusik beim täglichen Wachwechsel auf dem Luisenplatz spenden - ja, so sind die Darmstädter!
In dieser Zeit, in der sich zum einen die Wirtschaftslage verschlechtert, zum andern sich hierdurch Verschiebungen und Verschärfungen in der politischen Stimmung ergeben, treffen sich am 20. November 1920 auf Anregung des Kommerzienrats a.D. Erich sieben honorige Herren im Restaurant Preusch in der Karlstraße. Allen Beteiligten ist eines gemeinsam, man sammelt Briefmarken. So ist es für den Leser keineswegs verwunderlich, wenn hier geschrieben wird, es geht um die Gründung eines Philatelistenvereins in Darmstadt.
Die Aussprache verläuft ausgesprochen positiv, bereits am 26. November wird die erste Satzung formuliert, verabschiedet und dem Amtsgericht zugeleitet. Unter dem noch heute geführten Namen Allgemeiner Postwertzeichen-Sammlerverein Darmstadt stehen die Darmstädter Philatelisten seit dem 13. Januar 1921 im Vereinsregister dieser Stadt.
In der Gründungsversammlung werden folgende Herren in den Vorstand gewählt:
Amtsdirektor Kochenburger als Erster Vorsitzender,
Kommerzienrat a.D. Erich als Schriftführer,
sowie die Herren Kamuff als Stellvertreter Schriftführer, Kupsch als Tauschobmann und Kräuter als Beisitzer. Nicht mehr zu recherchieren sind leider die Namen des Zweiten Vorsitzenden sowie des Kassierers.
Der Verein wird Mitglied im "Germania-Ring", dem Verband Deutscher, Österreichischer und Schweizer Philatelisten-Sammlervereine im Bund Deutscher Philatelisten-Verbände e.V. Die Tauschveranstaltungen finden regelmäßig im Hotel "Krone" statt. Bezüglich des Mitgliederstandes in den 20er und 30er Jahren sind jeweils Personenangaben zwischen 20 und 40 Philatelisten überliefert. Und während über weitere Mandatsträger des Vereins namentlich nichts überliefert ist, steht in all den Jahren Herr Kochenburger dem Verein als Erster Vorsitzender zur Verfügung.

Der Zweite Weltkrieg bringt für den APS Darmstadt manchen Einschnitt: Aus Philatelistenkameraden werden Wehrmachtskameraden, die Lebensumstände allgemein werden schwieriger und nach den ersten Siegesfanfaren sorgen ständige Angst bei Luftangriffen nicht gerade der Förderung und Beschäftigung mit dem Steckenpferd Philatelie. Am 25. März 1945 wird Darmstadt von den Amerikanern besetzt, am 8. Mai folgt die bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches, Deutschland wird in Besatzungszonen aufgeteilt. Damit einhergehend steht auch das Verbot jeglicher vereinsmäßigen Betätigung.

Als herausragendes Datum in der Vereinsgeschichte ist dann der 23. Mai 1949 zu benennen, als Allgemeiner Postwertzeichen-Sammlerverein werden Darmstadts Philatelisten wieder im Vereinsregister eingetragen. In diesem Jahr beträgt der Mitgliederstand 33 Personen. Amtmann a.D. Henkel wird zum Ersten Vorsitzenden, Kammermusiker a.D. Köllner zum Zweiten Vorsitzenden gewählt.
Als die Einladung zur Jahreshauptversammlung 1954 mit dem Tagesordnungspunkt Neuwahlen verschickt wird, ahnt noch niemand, dass damit der Grundstein für außergewöhnliche Aktivitäten gelegt ist. Doch der Reihe nach. Im einzelnen ergeben die Neuwahlen folgendes Ergebnis: Erich Meerwald wird Erster Vorsitzender, Dr. Robert Nowak Zweiter Vorsitzender, Karl Siegmund Schatzmeister, Theodor Kamuff Tauschobmann, August Stähr Neuheitenwart und Wilhelm Brohm Schriftführer. Zu diesem Zeitpunkt zählt der Verein 45 Mitglieder.
Die nun folgenden Jahre können zurecht als "Ära Meerwald" bezeichnet werden - erlebt doch der Verein einen Aufschwung ohnegleichen. Bereits fünf Jahre später stehen in der Mitgliederdatei 120 Erwachsene und 25 Jugendliche!
Dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr. Veranstaltungen unterschiedlichster Art, Fahrten zu anderen Vereinen sowie zu Ausstellungen lassen ein außergewöhnliches Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen. Großen Anteil am Erreichen dieses ideellen Ziels hat die umtriebige Gattin des Vorsitzenden, Frau Alice Meerwald, die hiermit besonders gewürdigt werden soll. Erich Meerwald ist zweifelsohne der prominenteste Vorsitzende des APS Darmstadt. Sammlern in der ganzen Welt ist er als renommierter Grafiker für Briefmarkenausgaben bekannt. Entwarf er doch zahlreiche Marken für das Deutsche Reich sowie für die Bundesrepublik Deutschland. Nicht so geläufig dürfte sein, dass er auch als Maler und Künstler herausragende Werke schuf. Gleichermaßen erfolgreich war er auf dem Feld der Gebrauchsgraphik, so stammt u.a. das Plakat zu dem legendären Film "Ben Hur" von ihm.
Erich und Alice Meerwald sind aber auch außergewöhnliche Philatelisten mit gleichermaßen einmaligen Ausstellungsexponaten. Beispielgebend fördern sie die Entstehung einer Vielzahl von herausragenden Ausstellungssammlungen Darmstädter Vereinsmitglieder, die den Ausstellern Anerkennung und Medaillen "einbringen", damit aber auch gleichermaßen für eine anerkannte Rolle des Vereins in Hessen, Deutschland und der philatelistischen Welt sorgen. Großen Anteil hat das Ehepaar Meerwald auch an dem Zustandekommen der Städteverschwisterung Darmstadts mit Troyes im Jahr 1958.

Einen Wechsel in der Besetzung des Vorstandes gibt es 1961 bei der Jahreshauptversammlung, als Erich Meerwald aus seiner Funktion als Vorsitzender ausscheidet und an seine Stelle Georg Burhenne gewählt wird. Die Verdienste Erich Meerwalds würdigt der APS Darmstadt mit der bis zu diesem Zeitpunkt einmaligen Ernennung zum Ehrenvorsitzenden.
Im Verbund mit den weiteren Vorstandsmitgliedern werden die vielfältigen Aktivitäten des Vereins und im besonderen die Kontakte mit den Sammlern in der französischen Schwesterstadt Troyes weiter erfolgreich fortgesetzt.
Weiterhin erfolgreich sind Darmstadts Philatelisten auch mit ihren Exponaten auf nationalen wie internationalen Ausstellungen: Erich Meerwald mit seiner Spezialsammlung "Alt-Belgien", Alice Meerwald mit der Sammlung "Harnisch und Visier", Helmut Kumme mit "Tabu-Nirwana", Friedrich Dietrich mit "Das Pferd im Dienste des Menschen", Friedrich W. Schembra mit "UNO in aller Welt", Fritz Gablenz mit "Bismarck", Erich Bergmann mit "Musik geht um die Welt" und Heinz Patzer mit "Der Postzeitungsvertrieb".
Altersgründe sind 1969 für Georg Burhenne der Anlass, bei der Hauptversammlung nicht mehr zu kandidieren. Franz Kolb erhält das Vertrauen für die Funktion des Ersten Vorsitzenden, ihm zu Seite stehen Willy Müller, Herbert Lauck, Erich Winkler, Rudolf Döring und Rainer Kumme.

1970 feiert der Allgemeine Postwertzeichen-Sammlerverein sein 50jähriges Vereinsjubiläum mit einer Ausstellung vielfach preisgekrönter Briefmarkensammlungen der Mitglieder im Georg-Moller-Haus (Loge), sowie einem Festabend an gleicher Stelle. Ein Festumschlag gibt noch heute Zeugnis von dem Jubiläum, ebenfalls der Sonderstempel und Einschreibezettel mit Sondereindruck. Zum Zeitpunkt des Halben-Jahrhundert-Geburtstags zählt der Verein 180 Mitglieder.  

In zunehmenden Maße nutzt der Verein die Möglichkeiten einer aktiven Öffentlichkeitsarbeit für die Werbung in Sachen organisierter Philatelie, aber auch zum Zwecke der Aufklärung und Information. So ist es keine Frage, dass sich der APS Darmstadt anlässlich des Hessentages 1973 in Pfungstadt in der dortigen Wilhelm-Leuschner-Schule mit einer Briefmarkenwerbeschau sowie einem Großtauschtag und einem Sonderpostamt mit Sonderstempel und Sonderumschlägen beteiligt.
Das Jahr 1974 bringt für den Verein dann erneut einen Wechsel in der Funktion des Ersten Vorsitzenden: Ebenfalls aus Altersgründen verzichtet Franz Kolb auf eine erneute Kandidatur; zu seinem Nachfolger wird der bereits seit 1959 im Vorstand tätige Rainer Kumme gewählt. Mit in seiner Vorstandsmannschaft sind Willy Müller als Zweiter Vorsitzender, Rudolf Döring als Schriftführer, Herbert Lauck in Personalunion als Kassen- und Neuheitenwart, sowie als Rundsendeleiter Franz Kolb. Der Mitgliederbestand wird zu diesem Zeitpunkt mit 166 dokumentiert.

Der seinerzeit jüngste Vereinspräsident im Landesverband Hessischer Philatelisten-Vereine e.V. sorgte mit einer ganzen Reihen von Maßnahmen für ein völlig neues Erscheinungsbild der Philatelie in Darmstadt. Ziel ist es, Briefmarkensammler aus der zwar gut beleuchteten (!), ansonsten aber hintersten Ecke der Gasthofnebenzimmer ihrer tatsächlichen Bedeutung entsprechend hervorzuholen: Eine Fülle von Briefmarkenschauen, vornehmlich in den Räumen der Darmstädter Volksbank werden organisiert, der Entwurf von Sonderganzsachen und Sonderstempeln für die Stadt Darmstadt anlässlich der 650-Jahr-Feier der Stadt Darmstadt durchgeführt, die Verleihung des Titels "Philatelistisches Postamt" an das Postamt 11 am Luisenplatz initiiert, ferner gehören dazu Aufbau und Pflege eines sehr guten Verhältnisses zur Darmstädter Geschäftswelt sowie den städtischen Dienststellen, Intensivierung der Kontakte zu den Briefmarkensammlervereinen der Schwesterstädte, Unterstützung von Aktivitäten der Stadt Darmstadt gegenüber der Deutschen Bundespost in Verbindung mit der Herausgabe von Jugendstil-Sondermarken, Einrichtung von Münzecken im Rahmen der Tauschveranstaltungen und ständige Berichterstattung im Darmstädter Tagblatt sowie Darmstädter Echo. Darüber hinaus ist der Verein auch auf Landesebene wie auch innerhalb des Bundes Deutscher Philatelisten e.V. präsent und übernimmt auch Verantwortung.

Zum festen Angebot des APS Darmstadt gehören eine Vereinsbibliothek, regelmäßige Vereinsrundschreiben, ein Rundsendedienst, gesellige Ausflüge sowie Fachexkursionen, die Durchführung von Großtauschtagen, Besichtigungen bei philatelistisch interessanten Unternehmen, eine Spezialistenkartei, Vorträge zu allgemein interessierenden wie philatelistischen Themen, ein detailliertes Mitgliederverzeichnis, die Neuheitenbeschaffung, ein Informationsdienst mit Quarzlampe, philatelistischer Literatur und Katalogen sowie - natürlich - die regelmäßigen Tauschtage.

Im Jahr 1980 begehen die Darmstädter Briefmarkensammler im Rahmen einer gemütlichen Feier und in Anwesenheit des Landesverbandsvorsitzenden Theo Schmitt sowie Landesverbandsschatzmeister Dieter Diefenbach ihr 60. Bestehen. Im organisatorischen Bereich führt der Verein bereits 1982 ein EDV-Vereinsprogramm ein, dass gleichermaßen Schriftführer wie Rechner von zeitraubenden Routinearbeiten entlastet. Ein ganz großer Erfolg wird die Auflage einer Sonderganzsache sowie der Entwurf eines Sonderstempels anlässlich der 1200-Jahr-Feier der ersten urkundlichen Erwähnung von Darmstadts südlichen Vorort Eberstadt.

Hessen zu Gast in Darmstadt, so heißt das Motto im April 1983 - der APS Darmstadt lädt zum Landesverbandstag. Zum zweiten Mal seit 1956 ist damit die südhessische Metropole Ausrichter des Jahreskongresses und ein abwechslungsreicher und unterschiedlichsten Interessen gerecht werdender Terminplan sorgt für einen vielbeachteten Tagungsverlauf. Ein besonderer Höhepunkt ist neben einer erneut aufgelegten Sonderganzsache und der Verwendung eines Sonderstempels die Durchführung einer Ausstellung, die dem Lebenswerk des Künstlers und Philatelisten Erich Meerwald gewidmet ist. Im gleichen Jahr feiert die Stadt Darmstadt unter der Überschrift "Freundschaft mit Darmstadt" die seit 25 Jahren bestehende Städtepartnerschaft zu Troyes, Alkmaar und Chesterfield sowie 15 Jahre zu Graz, Bursa und Trondheim. Der aufmerksame Leser weiß was kommt ... natürlich hat der APS zu diesem Anlass einen Sonderumschlag sowie einen Sonderstempel gestaltet.

Die Marschrichtung der vergangenen 10 Jahre wird in dem Abschiedsschreiben des 1984 nicht mehr kandidierenden Präsidenten Rainer Kumme besonders deutlich. Er stellt noch einmal heraus, wie er seine Amtszeit und seine Arbeit verstanden wissen wollte: durch Aktivitäten, Ideenreichtum und Engagement der Philatelie innerhalb des Vereins Freunde zu erhalten und neue zu gewinnen, den hervorragenden Ruf unseres Vereins in Darmstadt zu stärken, die Kontakte zu Landes- und Bundesverband zu vertiefen und über Grenzen hinweg mit Sammlern in unseren Schwesterstädten und darüber hinaus der völkerverbindenden Idee zu dienen. Dass diese Leitlinie erfolgreich war, beweisen 208 Mitglieder sowie die breite Akzeptanz der Philatelie in der Darmstädter Öffentlichkeit. Die Jahreshauptversammlung würdigt die 10jährige Amtszeit von Rainer Kumme mit der Verleihung der Ehrenpräsidentschaft.
Neben der Verabschiedung beweist der APS Darmstadt mit der Wahl von Joachim Winzia zum neuen Präsidenten feines Gespür. Jung, engagiert, einsatzfreudig und ideenreich gestaltet er seit diesem Jahr 1984 die Vereinsgeschicke und gibt dem APS Darmstadt ein unverwechselbares Image. In seinem Einsatz um die organisierte Philatelie unterstützen ihn Wolfgang Brehm als Zweiter Vorsitzender, Herbert Lauck als Kassen- und Neuheitenwart, Rudolf Döring als Erster und Werner Zapfe als Zweiter Schriftführer, Joachim Ludwig als Jugendgruppenleiter und Werner Hamacher als Rundsendeleiter.
Im November 1985 feiert der Verein im Rahmen des Ehrenabends seinen 65. Geburtstag. Im gleichen Jahr werden in Verbindung mit einer Werbeschau erstmals Vereinsmeister gekürt. Regelmäßige Informationsabende zu Fachthemen dienen der zielorientierten Weiterbildung im Bereich der Philatelie.

Der 150. Todestag von Georg Büchner ist zwar für die Deutsche Bundespost kein Anlass für eine Würdigung, doch Darmstadts Philatelisten sorgen mit dem Entwurf eines Sonderstempels dafür, dass in unserer Stadt einer ihrer großen Literaten auch philatelistisch nicht in Vergessenheit gerät.
Sämtliche in der Vergangenheit bis hin zum Jubeljahr 1995 verwendeten Stempel und Sonderbriefumschläge sind von Ehrenpräsident Rainer Kumme entworfen. So auch zur 100-Jahr-Feier der Eingemeindung von Bessungen nach Darmstadt und zur 30- bzw. 20-Jahr-Feier der Städteverschwisterung (beide 1988). Im gleichen Jahr feiern Hessens Philatelisten zum Tag der Briefmarke im Postamt am Luisenplatz.
Die seit vielen Jahren herausgegebene Mitgliederinformation "APS-Post" erscheint 1989 zum ersten Mal als kleine Broschüre mit zunehmend breiter werdendem Inhalt. Berücksichtigung finden z.B. auch Kleinanzeigen von Mitgliedern, Geburtstage sowie weitere sonst nur zweitrangig behandelten Themen. Ein fester Bestandteil im Vereinsleben sind die Ehrenabende, die der APS für die würdige Auszeichnung langjähriger bzw. verdienstvoller Mitglieder durchführt. Vereinsausflüge haben jetzt primär philatelistische Anlässe zum Ziel, vielfältig sind die Aktivitäten zur Mitgliedergewinnung, ausschließlich Mitgliedern sind die Vereinsauktionen vorbehalten und zu einem beliebten Treffpunkt der Philatelisten aus ganz Südhessen entwickelt sich der Großtauschtag. Nicht ohne Stolz kann 1991 der APS Darmstadt wieder eine Jugendgruppe mit neun Mitgliedern bei der Deutschen Philatelistenjugend anmelden. Der Rundsendedienst wird dahingehend modifiziert, dass primär höherwertiges Material den Teilnehmern angeboten wird.
In ständigen Bemühen, den Ansprüchen der Mitglieder aber auch geänderten Umfeldbedürfnissen entgegenzukommen, veranstaltet der Verein im September 1993 erstmals einen Phila-Flohmarkt. Auf der Basis eines bereits 1989 von Mitglied Heinz Patzer entwickeltes Signet erarbeitet Rainer Kumme ein neues Vereinslogo, das im September 1993 in der APS-Post vorgestellt wird.

Zum gleichen Zeitpunkt erscheint die Informationsschrift Nr. 1 zur Landesverbands-Ausstellung im Rang 2 im Jahr 1995. Was sich hier so lapidar liest, hat seine Wurzeln in intensiven Vorbereitungen, für die Präsident Joachim Winzia mit einer erweiterten Vorstandssitzung bereits am 8. November 1990 den Grundstein legt. Bereits zu diesem Zeitpunkt werden die Fundamente des Jubiläums 75 Jahre APS Darmstadt sowie der Landesverbandsausstellung gelegt. Dass der seinerzeit erarbeitete "Rote Faden" bis zum Erscheinen dieses Berichtes fast unverändert maßgeblich für die weitere Arbeit ist, beweist die Akribie und Sorgfalt der Verantwortlichen bei allen vorbereitenden Tätigkeiten.
Aber nicht nur auf lokaler Ebene schätzt man den Einsatz des APS Darmstadt um der Philatelie willen, sondern auch innerhalb des Landes- und Bundesverbandes engagieren sich Vereinspräsident Joachim Winzia sowie Ehrenpräsident Rainer Kumme. Immer wieder strahlen so die Erfahrungen des Darmstädter Vereins weit in die Philatelie außerhalb des Einzugsgebiets Darmstadt hinein.

Bleibt zum Schluss dem Chronisten noch Gelegenheit zu einem abschließenden Resümee: Natürlich ist ein 75. Geburtstag ein herausragender Anlass, dies um so mehr, weil damit eine beachtenswerte Briefmarkenausstellung verbunden ist, und natürlich sind die Verantwortlichen wie die Mitglieder gleichermaßen stolz auf das Erreichte. Wohl haben Chroniken es so an sich, dass überwiegend bis ausschließlich nur Positives berichtet wird, gleichwohl soll nicht verschwiegen werden, dass - unabhängig von wirtschaftlich und politisch schwierigen Zeiten - auch manche "Niederlage" eingesteckt werden musste. Hier ist es ein mangels Beteiligung abgesagter Ausflug, dort eine wegen fehlendem Interesse kurz nach ihrer Geburt gestrichene Veranstaltungsserie, eine Jugendgruppe schläft mangels Masse ein, der Besuch bei der Jahreshauptversammlung ist einmal zahlreicher, einmal weniger intensiv, ein Aufruf zur Mitarbeit verhallt (scheinbar) völlig ungehört und wird doch nur überhört - aber das ist wohl überall so.
Eines allerdings hat der Allgemeine Postwertzeichen-Sammlerverein in den 75 Jahren seiner Geschichte nie erlebt, Neid, Missgunst, Gerede hinter vorgehaltener Hand, Intrigen und Geheimniskrämerei, vielmehr standen stets Verständnis, Kameradschaft und Für-einander-Einstehen im Mittelpunkt. So gesehen blickt der APS Darmstadt voll Optimismus und Zuversicht in die Zukunft. Im Jubiläumsjahr 1995 steht Präsident Joachim Winzia im elften Jahr dem Allgemeinen Postwertzeichen-Sammlerverein e.V. Darmstadt vor. Ihm zur Seite als Zweiter Vorsitzender Jürgen Weiler, Schatzmeister Günter Schubert, Schriftführer Heiko Schneider, Neuheitenwart Udo Mößinger, Jugendwart Peter Henker sowie Ehrenpräsident Rainer Kumme. Zur Mitte des Jahres 1995 hat der Verein 175 Mitglieder, davon sind 11 Jugendliche.

Der Chronist ist am Ende. 75 Jahre Philatelie in Darmstadt, gelebt im Allgemeinen Postwertzeichen-Sammlerverein e.V. Darmstadt galt es nachzuzeichnen. Es waren erfolgreiche Jahre, die ihre Wurzeln in dem Idealismus und der Liebe zur Philatelie haben. Möge der Allgemeine Postwertzeichen-Sammlerverein e.V. Darmstadt im weiteren Verlauf seiner Geschichte allzeit in Frieden und geistiger Freiheit dem Steckenpferd Philatelie dienen und damit gleichermaßen soziale, politische, wirtschaftliche, geographische und geschichtliche Aspekte vermitteln, im Dienste der Freundschaft unter den Völkern, der Toleranz und dem gegenseitigen Verständnis. Möge man gleichzeitig dem Philatelisten die eine oder andere schrullige und doch gleichermaßen herzerfrischende Eigenart nachsehen.
  

Rainer Kumme, Darmstadt

 
 
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